Diskussion zur Pflege in Deutschland – Teil II

Ein weiterer Punkt, der die Bereitschaft der Menschen dämpft, in der deutschen Arbeitsgesellschaft tätig zu werden, ist die seltsam ungerechte Art, wie wir Arbeit gestalten.

Nehmen wir als Beispiel »Krankmeldungen«. – Wer nicht am Arbeitsplatz erscheint, kann nicht seine Arbeit machen. Die Situation scheint klar. Derjenige hat ein Problem? Und muss mit seinem Arbeitgeber klären, wie das zu handhaben ist. – Kein Problem mit diesen Vorfällen haben die Kollegen, weil sie sich ja nicht krank gemeldet haben. Oder wie ist das im deutschen Alltag?

Im deutschen Arbeitsalltag verlaufen diese Vorfälle aber anders. – Nicht der, der sich »krank meldet« hat ein Problem, sondern die Kollegen und Kolleginnen, weil sie in der Regel verpflichtet sind, die Arbeit, die der Kollege liegen lässt, durch »Mehrarbeit« selbst auszugleichen. – Dieser Umstand ereignet sich an deutschen Arbeitsplätzen in millionenfacher Weise.

Was wäre nun in dieser Hinsicht in einer Grundeinkommensgesellschaft anders?

In einer Grundeinkommensgesellschaft könnten die Bürger darauf achten, dass ihre Arbeitsverträge fair gestaltet sind und ihren Interessen entsprechen. – In Arbeitsverträgen sollte unter dem Punkt »Überstunden« der Standardsatz stehen:

Überstunden werden grundsätzlich keine vereinbart.

Ergänzt könnte der Satz werden, wenn es dem Arbeitnehmer sinnvoll erscheint:

Im Einzelfall können Überstunden mündlich vereinbart werden, bei umgehender Entschädigung durch Überstundenabbau, im Anschluss an die Leistung oder bei umgehender Überstundenzahlung nach Ableistung der Zeit. – Der Preis für eine Überstunde wird unmittelbar vor Leistung der Überstunden schriftlich vereinbart.

Denn Ausbeutung geschieht ja nicht nur durch den »bösen Unternehmer«, sondern alle Arbeitgeber haben es sich im Laufe der Jahrzehnte angewöhnt, den Arbeitnehmer in Arbeitsverträgen eher zu benachteiligen.

Im Gegensatz zur Grundeinkommensgesellschaft kann in der Hartz4-Gesellschaft so gut wie nichts mit Arbeitgebern vereinbart werden, was der Arbeitnehmer auch durchsetzen könnte. Wer es wagen würde, die Überstundenregelungen seines Chefs einschränken zu wollen, würde sich bald »auf der Straße« wiederfinden, weil man solche Querulanten nicht in der Firma haben will.

Heute ist die Arbeitsgesellschaft eigentlich immer noch wie die »Sklavengesellschaft« aufgebaut. Damit der Arbeitssklave ein kleines Einkommen hat, mit ein bisschen Freizeit, was sich »Urlaub« nennt, muss er sich umfänglich der Verfügungsgewalt seines »Masters« unterwerfen. – Auch das ist vielen modernen Bürgern, die mehr Autonomie für sich wagen wollen, ein Dorn im Auge.

Wer also heute in der Pflege arbeitet, bei schlechten Arbeitsbedingungen und schlechten Löhnen, mit zusätzlich noch »ungerechten« Arbeitsverträgen, der wird sich schwertun, diesen Beruf erstrebenswert zu finden.

Eine Grundeinkommensgesellschaft würde da viel mehr Möglichkeiten bieten, beruflich aktiv zu werden, die ganze Arbeitssituation mitzugestalten, ohne ein Risiko einzugehen, wieder auf der Straße zu stehen, und joblos und geldlos den Häschern aus den Arbeitsämtern ausgeliefert zu sein.

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