Gerechtes Grundeinkommen?

Für und Wider eines Grundeinkommens für alle | Spannende Diskussion in der Reihe JBZ-Zukunftsbuch

Gibt es in unserer Gesellschaft einen »Konsens«?

Dieser müsste ja irgendwie erfragt werden. Mittels Volksabstimmungen?

Jedenfalls wäre die Aussage, es gäbe einen Konsens, dass »jeder nach seinen Möglichkeiten einen wirtschaftlichen Beitrag« zu leisten hätte, erst einmal nur eine Behauptung, die zu belegen ist.

Wer nicht arbeitet, hat einen »Defekt« !?

Auch ist die immer wieder vorkommende Aussage, mit einem Grundeinkommen würden die Arbeitslosen »ruhig gestellt« irgendwie seltsam. – Denn der Begriff hat in der Psychiatrie seine Anwendung und war bezogen auf unruhige Patienten, die zum Beispiel mit Medikamenten ruhig gestellt werden. – Aber Grundeinkommen-Gegner wenden sich nur gegen das Medikament »Grundeinkommen«. Sie wollen stattdessen etwas anderes verschreiben: Laufen im Hamsterrad der Arbeitsgesellschaft. – Den Geldlosen sehen sie durchaus als »Patienten«, den es zu behandeln gilt.

Gut herausgearbeitet wurde in dieser Diskussionsrunde der Gegensatz zwischen »Steuerung und Organisation von Arbeit als Leistung, die entweder entlohnt oder mit Sozialleistungen ausgeglichen wird«, und dem Verzicht auf das »Tauschprinzip« und stattdessen Aktivitäten und Handlungen »nach dem Prinzip der Gabe«, die in den anderen vertraut.

Schlechter Liberalismus

Irritierend ist der immer wieder vorkommende Hinweis auf »neo-liberale Modelle« des Grundeinkommens. – Denn obwohl davor gewarnt wird, so werden nie Ross und Reiter genannt, wer denn nun aktuell ein solches Konzept vertritt und wie denn das genau aussieht. – Grundeinkommen-Modelle müssen immer die Kriterien erfüllen, sonst sind sie eine Diskussion kaum wert: Das Grundeinkommen muss es geben als Menschenrecht, bedingungslos und existenzsichernd.

Gerechtigkeit

Ist es gerecht, wenn Armut existiert, und den Armen wird vorgeworfen, sie hätten sich in der Schule mehr anstrengen sollen, sich mehr um Arbeit bemühen und fleißiger sein müssen? Sind Arme selbst schuld, wenn sie arm sind? Hätten sie im Leistungswettbewerb bessere Ergebnisse erzielen müssen?

Oder ist es obszön, auf der Ebene der Existenzsicherung Kriterien der Leistungs- und Wettbewerbsgesellschaft in Anwendung zu bringen? – Kann man auf der Ebene der Existenzsicherung von niemandem etwas »verlangen«, und die lebenssichernden Güter sollten von der Gemeinschaft an alle Personen ausgegeben werden?

Das muss von uns allen in den Gesellschaften besprochen werden. Und wenn wir zum Ergebnis kommen, das Grundeinkommen ist die richtige Lösung, dann werden wir diese Umgestaltung der Gesellschaften vornehmen.

Das Ziel einer menschenwürdigen Gesellschaft, ist die Sicherstellung der Grundbedürfnisse für alle.

 

 

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