Individuum und Gruppe

Ist das Grundeinkommen identisch mit einer Bewegung?

Große NGOs, wie Oxfam, Amnesty und Greenpeace verhalten sich indifferent oder ablehnend zum Grundeinkommen. Deren Äußerungen zu der Idee sind eher zurückhaltend, distanziert oder das Grundeinkommen wird von linken NGOs größeren Zielen untergeordnet, wie der „Übertragung des Eigentums an Produktionsmitteln an die Arbeiterklasse“. – Und die Parteispitzen lehnen das Grundeinkommen ab. Aber es werden „Lockvögel“ bereitgehalten, die sich für ein Grundeinkommen aussprechen und die Bürger an Parteien binden sollen, wenn sie ein Grundeinkommen befürworten.

Obwohl viele Menschen mit einem Grundeinkommen sympathisieren, erscheint die Grundeinkommens-Idee nicht als einheitliche Bewegung in der Gesellschaft. – Das liegt einmal daran, dass viele etablierte Organisationen und Institutionen dem herrschenden Staat verbunden sind. Also auch deren Vertretern in den Parteien und Parlamenten. Trotz des Umstands, dass sich eine erhebliche Zahl an Institutionen „sozial“ gibt, wollen sie doch nicht die Arbeitspflicht kritisieren, die die Parteien per Gesetz allen Bürgern auferlegt haben, in Form von Hartz4.

Wenn also die Grundeinkommens-Bewegung nicht institutionalisiert ist, wie drückt sie sich dann aus?

Es gibt viele Einzelpersonen, die sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen aussprechen. Das sind Menschen, die in keinen Institutionen und Organisationen sich verankert fühlen. Nachteil dieser Position ist es, dass diese Menschen nicht „zusammen“ auftreten und dadurch scheinbar nicht so viel Gewicht in der gesellschaftlichen Diskussion haben, wie Institutionsvertreter.

Ja, scheinbar ist das so.

Denn andererseits nimmt die Bedeutung von Institutionen und Organisationen rapide ab. Mitgliederschwund bei den Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, und eine Abneigung überhaupt, sich „formell“ binden zu wollen. Mitglied in einer Organisation zu sein, bedeutet meist, auf öffentlich vorgetragene eigene Sichtweisen verzichten zu müssen, zugunsten des Gruppenkonsens. Wer „aus der Reihe tanzt“, ist unerwünscht. – Aber gerade die individuelle Sichtweise ist es, die in Zeiten des Internet viel attraktiver geworden ist. Denn online kann sich der Einzelne mitteilen. Und auch sonst haben die Menschen die Neigung, ihre Persönlichkeit weiter zu entwickeln, und auszuprägen. – Außer Fans, Anhängern und den „Anführern“, bleiben dann kaum noch welche in den Organisationen.

Ist es demnach ein Nachteil, wenn die Grundeinkommens-Befürworter nicht als Bürgerbewegung auftreten?

Der Trend ist insgesamt hin zur Individualisierung und weg von den großen „Lautsprechern“. Die Rückzugsgefechte der alten Herrschaften sind mittlerweile überdeutlich. Noch einmal soll die Ideenwelt der letzten hundert Jahre hochgehalten werden, obwohl doch schon längst der Zug abgefahren ist, in Richtung Grundeinkommens-Gesellschaft. – Im „Endkampf“ muss jetzt nochmal jeder antreten, seine Frau und Mann stehen. „Alte, Kranke, Behinderte und Mütter mit kleinen Kindern“, werden in das letzte Aufgebot geholt und in die Vernichtungsmaschine „Arbeit“ eingegliedert. Verbraucht, ausgenutzt, missbraucht, ausgehöhlt und zerstört bleiben viele von den durch die Jobcenter und Arbeitsagenturen „rekrutierten“ Bürgern zurück, und zahlen einen Preis für den Starrsinn der alten Generation, zu denen auch die 68er gehören.

Diesen Endkampf zu befeuern und wohlwollend zu begleiten, dazu haben sich viele gesellschaftliche Akteure bereit erklärt. – Alle, die kein Grundeinkommen brauchen, weil sie heute sich etabliert haben, Geld zur Seite schaffen konnten, Arbeitsplätze sich unter den Nagel rissen, werden den Teufel tun, und einen Finger rühren, für diese Idee. – Und die etablierten Medien, Papierzeitungsvertreter, Online-Journale, aber besonders der öffentliche Rundfunk, der auf Gedeih und Verderb von den wohlwollenden Gesetzen der herrschenden Politiker abhängig ist, sind ganz auf der Seite der Parteienallmacht, und tragen die Ideologie mit, alle Bürger durch Arbeit zu „integrieren“. – Was nur eine Metapher ist, für den Endkampf gegen die eigene Bevölkerung. Und immer wieder tauchen Umfragen und Untersuchungen auf, von dubiosen Instituten, gesponsert durch Lobbygruppen und Parteien, die diesen „Marsch ins Verderben“ mit ihren Aussagen förderlich kommentieren und begleiten.

Die Propaganda der Arbeitsideologie hat heute Hochkonjunktur, und ist doch zugleich das letzte Aufbäumen des alten Denkens. Wie viele werden sie noch mit in den „Arbeitstod“ reißen? – Denn das eigene Fortbestehen ist undenkbar.

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